smart. clean. sustainable.
Fachwissen
Die Messung des Sauberkeitsgrads ermöglicht es, sich auf Ergebnisse zu verpflichten und nicht nur auf die eingesetzten Mittel — im Sinne einer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung.
Eine Stadt sauberzuhalten, ist eine höchst komplexe Aufgabe. Es handelt sich dabei um ein politisch sensibles und emotional aufgeladenes Thema, bei dem die Kritik oft eher heftig als konstruktiv ist und bei dem die Beteiligten nur selten gewürdigt werden. Durch die COVID-19-Krise ist die Bedeutung der Arbeit und des Einsatzes der Strassenmeistereien ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Diese Arbeit vor Ort ist eine von zahlreichen Herausforderungen, die umso schwieriger zu handhaben sind, je mehr Parteien beteiligt sind: die Bevölkerung (deren Haltung und Empfinden bezüglich der Sauberkeit einen entscheidenden Einfluss hat), die politischen Instanzen (die mit Fördermassnahmen oder Repressalien unerwünschte Handlungen eindämmen und das Verhalten der Bürger beeinflussen können), die Gemeinden (die die Ziele festlegen und Mittel, Ressourcen und Verfahren zu deren Erreichung bereitstellen) usw.
Von diesem Sauberkeitsmanagement hängt sowohl die wirtschaftliche als auch die touristische Attraktivität der Stadt sowie ihr Image in den Augen der Bevölkerung ab. Die Beherrschung der Umweltauswirkungen der Sauberkeit in den Städten wird umso wichtiger, je mehr die Bevölkerungszahl in den Städten zunimmt (heute leben ca. 72 % der europäischen Bevölkerung in den Städten) und je mehr die Nachhaltigkeit bei der Entwicklung unserer Gesellschaften berücksichtigt werden muss.
Es ist daher von grundlegender Bedeutung, die Städte mit ausreichenden Mitteln in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht zu versehen, um ihre Reinigungsprozesse durch das Teilen der richtigen Praktiken und gemeinsamer Überlegungen zu verwalten.
Eine Stadt verfügt über viele Hebel, um für Sauberkeit zu sorgen. Der erste betrifft das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger. Mit Blick auf die Prävention kann die Stadt in städtisches Mobiliar investieren: Papierkörbe und Aschenbecher auf der Strasse z.B. verringern die Menge der auf dem Boden einzusammelnden Abfälle. Der Druck durch die Bevölkerung oder die Bezirkskomitees sowie Wahlversprechen führen zu einer erhöhten Anzahl von Papierkörben im öffentlichen Bereich. Dennoch zeigt die Erfahrung aus mehreren Städten, dass es auch bei einer Reduzierung ihrer Anzahl möglich ist, ihre Wirksamkeit zu erhöhen, wenn ihre Funktion leichter erkennbar ist und sie in gut sichtbarer Lage aufgestellt werden.
Sensibilisierungskampagnen, die Personalisierung des Lebensraums im Viertel mit einer neuen Anbindung an die Strassenmeisterei sowie die Nudges sind Initiativen, die derzeit in vielen Städten erprobt werden. Die Schwierigkeit liegt darin, diese Verhaltensweisen langfristig weiterzuentwickeln, hin zu einer Bewusstseinsbildung der Massen. Es geht darum, Wege zu finden, um von der egoistischen Logik nach dem Motto: «Ich zahle genug Steuern, ich kann also die Umwelt verschmutzen, die Stadt muss den Müll ja nur wegräumen» wegzukommen. Zwang und gebührenpflichtige Verwarnungen sind andere Handlungsmöglichkeiten. Manche Städte bestrafen diejenigen, die ihre Abfälle und Kippen wegschmeissen, oder auch achtlose Hundebesitzer.
Der wichtigste Hebel bleibt jedoch die Reinigung. Die Städte setzen konsequente Mittel in Form von Menschen und Maschinen ein, die vom Steuerzahler zu tragende Kosten verursachen. Paradoxerweise werden die Reinigungskosten in der öffentlichen Buchhaltung trotz der Bemühungen zur Vereinheitlichung und der Bewegung des New Public Management nicht als solche erkennbar ausgewiesen. Daher ist es sehr schwierig, die Effizienz der eingesetzten Mittel zu messen. Das Reinigungsmanagement wird so zu einem undurchsichtigen, unpopulären Verfahren, das Bürgerinnen und Bürgern die Eigenverantwortung entzieht, sodass diese zu der verhängnisvollen Ansicht gelangen, es reiche aus, Steuern zu zahlen, um ein «Recht auf Sauberkeit» in Anspruch nehmen zu können. Unseren Daten zufolge sind die Städte mit den höchsten Ausgaben daher nicht die saubersten Städte, ganz im Gegenteil.
Die Auswirkungen einer Erhöhung der für die Reinigung aufzuwendenden Mittel beschränken sich im Übrigen nicht auf den wirtschaftlichen Effekt. Die Fahrzeuge der Strassenmeisterei verbrauchen Energie, stossen CO2 und Staub aus und sind laut. Manche Städte greifen intensiv auf die Reinigung zurück und verbrauchen damit beträchtliche Mengen einer besonders wertvollen Ressource: Wasser. Wie auch bei den Kosten werden die Umweltauswirkungen der Sauberkeit der Städte nicht heute gemessen, in Ermangelung einer ausreichenden Bewusstseinsbildung und transparenter objektiver Kennzahlen.
Bei den letzten europäischen Begegnungen, die vom Städteverband für Sauberkeit in den Städten (AVPU) organisiert wurden, hat die Stadt Zürich eine Analogie zwischen der «Produktion der Sauberkeit» und den industriellen Produktionssystemen aufgezeigt. Wie z.B. bei der Herstellung eines E-Bikes muss der von der Strassenmeisterei «hergestellte» Sauberkeitsgrad kontrolliert und konstant bleiben.
Diese Analogie eröffnet, trotz einer etwas vereinfachten Darstellung, ein beträchtliches Verbesserungspotenzial.
Die derzeitige Organisation der meisten Strassenmeistereien liegt in der Verwaltung der eingesetzten Mittel begründet. Die notwendigen Ressourcen (Arbeitskräfte und Maschinen) und die Investitionen werden in einem jährlichen Reinigungsplan oder im städtischen Budget festgelegt. Diese Mittel werden gemäss langfristig erstellten Planungen aufgewendet, die auf Erfahrung und Gewohnheit beruhen. Anschliessend wird kontrolliert, ob die Arbeit den Anforderungen entsprechend durchgeführt wurde. Dies ist ein Top-down-Ansatz, bei dem die Strassenmeisterei über die eingesetzten Mittel Bericht erstattet, im Gegensatz zu einem Ablauf von Verbesserungsschleifen, bei dem sich die Stadt zu Ergebnissen verpflichtet — in vorliegendem Fall in Bezug auf den Sauberkeitsgrad.
Die Schleifensysteme bilden die Grundlage für die Qualitätstheorien im Branchenumfeld (das wohlbekannte Plan-Do-Check-Act). Dies setzt voraus, dass objektive Indikatoren zur Messung der Qualität herangezogen werden, mit denen sich die Ressourcenverwendung anpassen und zielgerichtet steuern lässt. Für die «Herstellung von Sauberkeit» ist es daher unerlässlich, ihren Grad zu messen.
1973 war New York die erste Stadt, die eine objektive Sauberkeitsmessung einführte, um die Bevölkerung zu informieren und die Ressourcen zielgenau, d.h. je nach Bedarf, einzusetzen. Diese objektive Messung ist der aussagekräftigste Indikator für das Sauberkeitsgefühl der Bevölkerung (unabhängig von anderen Faktoren wie Alter, Einkommen, Ethnie oder Geschlecht). Die Stadt Zürich war im Jahr 2000 die erste Stadt in Europa (und die zweite in der Welt), die einen Sauberkeitsindex einführte. Dieser Indikator ist detaillierter als der in New York verwendete, da er eine Aufschlüsselung der Abfallkategorien erlaubt und damit die Möglichkeit bietet, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen und die Ursachen der Verschlechterung des Zustands zu beseitigen.
Die Kosten für ein Qualitätssystem machen einen Bruchteil der Betriebskosten aus. Ohne objektive Messung führt die Erhöhung der für die Reinigung aufgewendeten Ressourcen in den seltensten Fällen auch zu erhöhter Sauberkeit. Aus der Schwierigkeit, das Ergebnis zu beeinflussen, erfolgt oft ein Gefühl der Machtlosigkeit, das sowohl von den Regierungsbehörden als auch vom Einsatzpersonal vor Ort und der Bevölkerung geteilt wird. Ein kontrolliertes Verfahren mit transparenten Indikatoren jedoch führt dazu, dass alle Mitarbeiter mit der Qualität des Ergebnisses in Verbindung gebracht werden und die Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden können. Mit diesem Ansatz können alle Akteure an der Suche nach pragmatischen Verbesserungen beteiligt und für die Servicequalität ihres Gebiets sensibilisiert werden. Die Arbeit der Strassenmeisterei wird so aufgewertet und sichtbar gemacht und ist Teil eines partnerschaftlichen Ansatzes mit der Bevölkerung, die es zu sensibilisieren gilt.
Die Strassenmeistereien von Zürich und Basel messen die Sauberkeit durchgehend und leiten ihre Ergebnisse an die Behörden weiter, die die Bevölkerung ganz transparent und objektiv zu ihrer Zufriedenheit und mit bester Beteiligung informieren können. Aufgrund ihres Qualitätsansatzes zählt die Stadt Zürich regelmässig zu den saubersten Städten in Europa und kann die Nutzung ihrer Ressourcen jedes Jahr um 10 % optimieren. Die Stadt Basel kann aufgrund ihrer Sauberkeitsmessungen die Anzahl der Strassenkehrmaschinen pro Bezirk reduzieren und einen Fuhrpark an Ersatzfahrzeugen gemeinschaftlich verwalten. Diese beiden Städte steuern auch ihre Umweltindikatoren: Ihr Wasserverbrauch ist im Vergleich zu anderen Städten sehr niedrig. Die Stadt Basel hat sich auch die Klimaneutralität zum Ziel gesetzt; bis 2025 sollen 95 % der Fahrzeuge mit Strom betrieben werden. Die Strassenmeisterei von Genf testet mit dem Clean City Lab verschiedene Aktionshebel, die auch für andere Städte interessant sein können, und beziffert den Nutzen im Hinblick auf Sauberkeit, Ressourceneinsparung und Umweltschutz.
Ziel dieser Artikel von Clean City Lab ist es, zum Nachdenken anzuregen und Erfahrungen im Sauberkeitsmanagement der Städte so breit wie möglich zu teilen. Dieser erste Artikel zeigt das stetige Verbesserungspotenzial eines Qualitätsansatzes auf, der sich an objektiven Indikatoren orientiert. Die kommenden Artikel behandeln die Auswertung dieser Indikatoren, die Umweltauswirkungen und die Kosten. Auch werden wir sehen, wie der Verbesserungsansatz konkret strukturiert werden muss, damit er von den Städten leicht umgesetzt werden kann, und konkrete Beispiele für Hebel mit ihrem messbaren Nutzen anführen.
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